Donnerstag, 6. April 2017

Verboten

Während seine Zunge über mein Schlüsselbein und meinen Hals streift, schaue ich erregt und gleichzeitig nervös zur Tür. Was, wenn uns einer findet?
Doch bevor ich den Gedanken weiter intensivieren kann, fahre ich zusammen und das Kribbeln in meinem Bauch gleitet zwischen meine Beine. In meinem Hals baut sich ein unglaublicher Druck auf und ich kann nicht anders, ich stöhne laut. Er schaut mich an und unsere Lippen berühren sich leicht, er küsst mich nicht. Aber genau das, macht mich nur um so gieriger. Gierig nach ihm, seinen Lippen, seinem Geschmack. Einen Augenblick Freiheit, einen Augenblick vergessen. Alles vergessen.
Es ist schon so lange her, dass mich jemand so berührt hat. Es ist schon so lange her, dass ich mich so gefühlt habe. Und es ist schon so lange her, dass ich einen Orgasmus hatte.
Dave weiß was er tut, obwohl er nicht darüber nachdenkt. Er tut es einfach. 
Er packt mich an meinen Handgelenken, führt sie über meinen Kopf und drückt mich an die Wand. Dann küsst er meinen Hals und jede Stelle die er mit seinen Lippen berührt, wird heiß und kalt zugleich. Ich schließe die Augen, das Gefühl wird so nur intensiver. Wieder kann ich ein Stöhnen nicht Ähnliches Fotounterdrücken. Das Kribbeln in meinem Bauch brodelt wie eine Fontäne kurz vor dem Ausbruch und schießt die Schmetterlinge dann plötzlich nach oben, durch meinen Rachen und nach draußen. Schon wieder stöhne ich. Lauter, intensiver. Ich sehe ihm zu, wie er die Träger meines Kleider hinunterstreift und anfängt meine nackten Brüste zu liebkosen und lege den Kopf schief. Er genießt jede Faser, jede Pore während er sie mit seinen Lippen und seiner Zunge streichelt. Er ist so sehr in das vertieft was er tut, dass er alles um sich herum zu vergessen scheint. Nur ich scheine alles intensiver wahrzunehmen. Ich höre den Staub durch den kleinen Raum fliegen und spüre die Schritte der anderen zwei Etagen unter mir. Meine Sinne sind geschärft, obwohl er sie mir gerade raubt.
Ich lege meinen Kopf in den Nacken und versuche alles auszublenden, außer Daves Wärme und Berührungen. In mir brodelt es und ich kann es gleich nicht mehr unterdrücken. Ich schaue ihn an, während er seinen Kopf wieder hebt und mir direkt in die Augen sieht. Ich ziehe ihn zu mir und wir küssen uns leidenschaftlich. Seine warmen, weichen Lippen passen perfekt auf meine und wir umschlingen uns gegenseitig, bis wir eins werden. Er schiebt mein Kleid nach oben und ich höre ihn nur hauchen: »Ich kann nicht mehr warten.« Ich auch nicht.
Wir küssen uns erneut und ich schlinge meine Arme um ihn und stöhne in seinen Mund, während er mit seiner linken Hand etwas zwischen meinen Beinen tut, was ich nicht beschreiben kann. Dann hebt er mein rechtes Bein und plötzlich füllt mich seine ganze Männlichkeit aus.
Ich werfe meinen Kopf in den Nacken und bin so von diesem längst vergessenen Gefühl überwältigt, dass ich einen mindestens dreißig Zentimeter dicken Kloß in meinem Hals habe, der mich nicht atmen lässt. Dave bewegt seine Hüfte wie ein Latinotänzer und ich habe das Gefühl, ich kann mit dem Takt nicht mithalten. Ich verliere jegliche Kontrolle und um mich herum verschwimmt alles. Ich packe Dave an den Schultern und versuche ihn wieder zu küssen, aber ich kann nicht. Mein Körper macht sich selbstständig, die Ektase hat mich am Schopf gepackt und hat mich voll und ganz unter Kontrolle. Ich kann meine Lautstärke nicht mehr kontrollieren, es ist mir jetzt auch egal, ob man uns hört. Das ist es mir wert. Ich würde alles für dieses Gefühl gerade tun. Auch Dave wird immer lauter und gemeinsam erreichen wir den Höhepunkt und explodieren wie ein Vulkan auf Hawaii.
Langsam und ausgepowert sacken wir zusammen und atmen schwer, schrecken aber direkt wieder auf. Jemand kommt die Treppe hoch. Schnell ziehen wir uns wieder an und ich mache meine Haare zurecht. Zumindest versuche ich es so gut es geht und eile zur Tür. Ich komme gerade aus dem Arbeitszimmer, als mir mein Mann entgegen kommt.
»Ich habe dich gesucht.«, sagt er streng. 
»Ich habe mich nur eben frisch gemacht.«, sage ich noch leicht außer Puste.
»In meinem Arbeitszimmer?«, fragt er skeptisch und schaut über meine Schulter.
Ich werde nervös: »Nein, natürlich nicht. Ich dachte, ich hätte dort etwas gehört. Aber das Fenster war nur offen und ich habe es geschlossen, weil es gezogen hat. Und dann kamst du, als ich eben raus kam.«
Er rümpft die Nase: »Nun, du solltest nochmal in den Spiegel schauen. Du siehst aus wie eine Vogelscheuche. Und dann komm direkt runter. Wozu habe ich eine Frau, wenn ich sie nicht präsentieren kann!?« Er dreht sich um und erwartet, dass ich ihm folge. Ich gehorche, wie immer. Als ich über meine Schulter schaue, sehe ich Dave. Er lächelt. Ich werde rot.
Der goldene Käfig schließt sich wieder. Aber bei der nächsten Gelegenheit werde ich wieder fliehen.


© Dia Nigrew/Claudia Wergin

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