Montag, 10. Oktober 2016

How to be a "Mutti"


Hallo miteinander! Ich freue mich darüber, dass Sie alle so zahlreich erschienen sind! Herzlich Willkommen zum Seminar "How to be a Mutti".

Nun... wie werden Sie Mutter? Das Grundprinzip kennen wir. Jeder wurde sicherlich über die Bienchen und die Blümchen aufgeklärt. Natürlich gibt es noch andere Wege wie künstliche Befruchtung, Leihmutter, Samenbank oder Adoption. Aber das wissen Sie ja bereits, denn Sie sind ja alle hier, weil Sie alle in freudiger Erwartung sind. Egal auf welchem Wege. Sie möchten wissen, wie man Mutter ist. Wie man eine gute Mutter sein kann. Wie sie ihre Angst und Unsicherheit verlieren und selbstsicher an die Sache ran gehen können. Doch was für eine Mutter werden Sie sein? Was für eine Mutter wollen Sie sein?
Nun, Sie sollten wissen, dass es verschiedene Muttertypen gibt. Doch, tatsächlich. Schauen wir uns diese einmal an. Ich habe dazu eine kleine Diashow vorbereitet.





Die "coole" Mutter oder auch die "moderne", "lockere" Mutter, ist diejenige die im schicken, mit IKEA-Möbeln eingerichteten Einfamilienhaus lebt und immer, aber wirklich immer im Trend liegt. Ihre Kinder haben deutsche Namen wie Linus oder Greta, der Golden Redriever heißt Dan und der Goldfisch Fritz. Sie ist locker-flockig und das scheint auch wunderbar zu funktionieren. Ihre Kinder sind schon von Natur aus gut erzogen.

Sie bloggen über das Familienleben und auf Instagram finden sich die perfekt inszenierten Fotos von den Kindern und dem Familienurlaub an der Nordsee wieder. Natürlich haben sie auch "50k" Follower und weil alles so gut läuft, haben sie auf Dawanda ihren eigenen Online-Shop, auf dem sie selbstgenähte Vintage-Strampler für Säuglinge vertreiben.



Die Heli-Mom ist da nicht so locker. Sie hält nichts von "Lari Fari". Disziplin, ("liebevolle") Strenge (auch schön am äußerlichen Erscheinungsbild zu erkennen: meistens strenger Dutt, Hosenanzug und sichtlich gestresst) und Leistung. Das ist wichtig. Aus dem Kind soll ja schließlich was werden. Und damit dem auch nichts und niemand im Wege steht, sorgt sie höchst persönlich dafür, dass aus ihrem Kind auch mal die Elite wird! Freunde werden sorgsam ausgesucht, Lehrer terrorisiert... Verzeihung, "überwacht" und zurecht gewiesen, wenn etwas nicht den richtigen bzw. eigenen Vorstellungen entspricht. Man möchte für sein Kind ja nur das Beste und manchmal muss man das dann auch selbst in die Hand nehmen. Mama weiß es ja (immer) am Besten, nicht wahr?




Ja, die Mutti. Die weiß immer Bescheid. Man vertraut ihr, nimmt sich ihren Rat an. Die Klischee-Mutti kann alles. Sie kann kochen, hält das Haus top in Schuss, organisiert Familienfeiern, bastelt die coolsten Geschenke, macht die leckersten und schönsten Torten und steckt einem heimlich Geld zu, wenn der Papa mal nicht guckt oder sie zu Besuch ist. Die Mutti eben. Sie kennt die neuesten Geschichten über die Nachbarn, die aktuellen Tatort-Folgen und die hippen Herbstrezepte aus der BRIGITTE. Die Mutti hält die Familie zusammen und hat immer ein offenes Ohr. Aber sie kann auch mal streng werden und ordentlich schimpfen, wenn etwas nicht rechtens ist. Gerechtigkeit wird groß geschrieben! Sie könnte doch tatsächlich aus einem ARD/ZDF-Sonntag-Abend-Familienfilm stammen.




Dieses Exemplar der Leggins-Mütter stammt wohl nicht vom ARD oder ZDF, wohl eher von RTL oder RTL II. Wir kennen sie alle. "CHANTALE, TU MA DIE OMMA WINKEN!"

Meist in der Primark-Version von UGG-Boots, Kunst-Lederjacke und stramm sitzender Leggins unterwegs, sieht man diese Damen meist im Fernsehen auf bereits genannten Sender. Zu Mittag gibt es Chickenwings von "Mecces" und Erdbeerkäse aus dem Aldi zum Nachtisch. Warum denn auch nicht? Nur das Beste für die kleine Rasselbande, die meist aus zwei bis drei Kindern bei einem Durchschnittsalter von 22 Jahren der Mutter besteht. Früh übt sich.




Die Trekking-Mamas fangen da meist später an. Ist ihr Sohn oder ihre Tochter um die zehn Jahre alt, sind sie meistens schon Mitte vierzig oder sehen zumindest danach aus. Meist tragen sie kurze Locken und eine runde Brille, aber was wirklich immer, immer dabei ist, sind die schwarzen oder braunen Trekkingschuhe von Jack Wolfskin und die praktischen Cargohosen in beige oder grün!
Ihre Kinder sind häufig sehr mutterbezogen, man bezeichnet sie ab und zu auch als "Muttersöhnchen" oder "Mamakind". Einzelkinder sind hier der Regelfall. Die Jungsquote bei dieser Art von Mutter ist erstaunlicherweise auch höher, als bei Anderen.
Zumeist sieht man die Trekking-Mütter mit ihren Kindern bei C&A beim T-Shirt- oder Unterwäschekauf.




Das Kind vorne im Wickeltuch, sie trägt weite Haremhosen, die Rastalocken sind hochgebunden und der Körper ist tattoowiert. Meist ist sie ungeschminkt, denn sie setzt auf Natürlichkeit. Auf dem Rücken hat sie einen großen Rucksack und an der Leine einen ebenso großen Hund, der natürlich auch mit zum Bio-Laden kommt. So kennen wir die Öko-Mutti.
Meist sind sie Vegetarier oder sogar Veganer, leben gesund und sind besonders entspannt. Das Leben kommt, wie es nun mal kommt. Es gibt keine Zwänge, einfach glücklich sein und bedingungslose Liebe... das ist "Leben". Die Kinder heißen oft Fynn oder Anne-Marie und lernen schon von klein auf die einfachen Dinge zu schätzen. Die Öko-Mütter sind einfach... einfach. 




Die MILFs sind auch einfach. Einfach der Wahnsinn. Was Milf bedeutet? Nun... *räusper*, es bedeutet "Mother I love to f***". Meist ist diese Bezeichnung von jungen Männern im Sprachgebrauch, wenn sie eine Mutter sehen, die einfach nicht nach der "typischen" Mutter aussieht.
Milfs sehen aus wie zwanzig, obwohl sie manchmal schon Anfang vierzig sind. Sie tragen Kleidergröße 36 und haben die Traummaße 90/60/90. Sie sind diejenigen auf die die anderen Mütter neidisch sind, wenn sie ihre Kinder zur Schule bringen und ihren perfekten Hintern aus dem Auto schwingen. Die Haare liegen immer, das Make-Up ist grundsätzlich perfekt und die Kleider meistens eng. Keine Cellulite, keine Falte. Geben wir es zu, 90 % von uns sind neidisch auf sie.

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Natürlich gibt es noch weitere "Mutterarten", aber diese hier sind die Bekanntesten. 

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Nun, jetzt haben Sie einen groben Einblick in einige Mutterarten bekommen. Aber hilft Ihnen das dabei selbst eine gute Mutter zu werden? Nein, natürlich nicht. Das soll Ihnen nur zeigen, dass jede Mutter, egal wie sie aussieht oder was sie tut, eine gute Mutter ist. Und das auf ihre ganz eigene Art und Weise. Machen Sie sich also keine all zu großen Sorgen. Solange Sie Ihr Kind lieben und immer für es da sind, machen Sie alles richtig. Alle Mütter machen Fehler, keine ist perfekt. Aber sie sind alle auf ihre ganz eigene Art und Weise einzigartig und machen ihre Arbeit wunderbar. Es ist egal, ob Sie Leggins, enge Kleider oder Rastazöpfe tragen. Sie werden alle ganz fabelhafte Mütter sein!
Niemand kann eine Anleitung dafür schreiben, wie man seinen Job als Mutter am Besten macht. Dafür ist diese Aufgabe einfach zu individuell. Lassen Sie sich nicht von der Gesellschaft vorschreiben, wie die perfekte Mutter auszusehen hat oder was sie tun soll. Folgen Sie einfach ihrem Herzen und Ihrem Bauchgefühl, denn Sie allein wissen was am Besten für Ihr Kind ist. Und wenn Sie doch mal Hilfe brauchen oder Sie unsicher sind, fragen Sie nach. Fragen Sie Ihre eigene Mutter, eine Freundin oder einen Pädagogen. Niemand ist allwissend, das ist menschlich.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit! Wenn Sie keine Fragen mehr haben sollten, können Sie sich am Empfang nun gerne etwas zu trinken nehmen und sich austauschen.

:-)

© Dia Nigrew/Claudia Wergin

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