Dienstag, 2. August 2016

Das Heim der besonderen Mädchen - Part 7


Es fühlt sich an, als würden sie schon Stunden durch die Bäume rennen, dabei sind es erst wenige Minuten. Sekunden nachdem sie die Barriere verlassen haben, kam ein dichter Nebel und eine eisige Kälte auf. Hinter sich hörten sie plötzliche Schreie und unmenschliches Gekreische, doch keines der Mädchen wagte es sich umzudrehen.
Sie wissen jedoch, dass sie seit Verlassen der Hütte verfolgt werden. Man kann es spüren. Automatisch liefen sie in den Wald, in der Hoffnung die Bäume können ihnen ein wenig Schutz bieten.
Von der Angst und dem Adrenalin getrieben rennen sie durch das Dickicht in Richtung Villa. Hinter ihnen hören sie die Schreie, die ihnen wohl bekannt sind: das Monster aus letzter Nacht ist hinter ihnen her. Caligo. Doch hinter ihnen ist noch mehr zu hören. Schnelle Schritte, viele. Als würden sie von einer Horde dieser Bestien verfolgt werden. Automatisch werden sie etwas langsamer, sind außer Atem. "Ich kann nicht mehr.", keucht Josy und auch Fiona bleibt stehen. Außer Atem schauen sie zurück, können aber noch nichts erkennen. Doch dann sehen sie Schatten, die aussehen wie... Raubkatzen. "Wir können nicht weiter weglaufen, das schaffen wir nicht.", sagt Fiona, Josy nickt. Die Bestien kommen näher und sie sehen, dass diese ähnlich aussehen wie Caligos Monstergestalt. Nur laufen sie auf allen Vieren.
"Ich habe eine Idee,", beginnt Josy. "Du wirst gleich alles eckige und spitze in die Luft bewegen, alles was du siehst. Schieß sie damit ab, mach irgendwas. Ich werde dann die Zeit zwischendurch anhalten und diese Monster versuchen auch damit zu erledigen."
Fiona nickt. "Gute Idee."
"Dann leg los, wir haben nicht viel Zeit!", flüstert Josy, denn die Monster kommen immer näher und sind nur noch ein paar Meter von Ihnen entfernt.
Fiona schließt die Augen, hebt die Hände und sämtliche Äste, Steine und Stöcke begeben sich in die Luft. In diesem Moment hält Josy die Zeit an und alles steht still, als sei sie in einem Museum voller Statuen. Sie zögert keine Minute und rennt auf die Monster zu. Auf dem Weg nimmt sie sich zwei spitze Äste und rammt sie in ein Monster, welches vor ihr gerade im Sprung ist. Sie rammt die Äste in Brust und Bauch, schwarzes Blut spritzt ihr entgegen. Doch sie beachtet es nicht und rennt wieder zurück um sich die nächsten Äste zu nehmen. Eine Bestie nach der anderen nimmt sie sich vor, bis sie mit schwarzen Flecken besprenkelt und schweißnass zu Boden fällt. Sechs sind noch übrig, doch sie hat keine Kraft mehr und kann diesen Zustand nicht länger halten. Sie kriecht zu Fiona zurück und setzt sich hinter sie, ehe die Zeit wieder anfängt zu laufen.
"Du musst den Rest erledigen, ich kann nicht mehr.", haucht Josy und Fiona blickt über ihre Schulter und zu ihr hinunter.
"Mach schon!", ruft Josy und Fiona lässt die restlichen sechs Monster in der Luft schweben und bricht vieren einem nach dem anderen das Genick. Den restlichen Zweien rammt sie Äste in die Körper. Sie fallen zu Boden wie Steine.
Schnell dreht sich Fiona zu Josy und hilft ihr auf. "Caligo ist immer noch hinter uns her, wir müssen hier weg.", sagt sie schnell zu Josy.
"Und wo wollt ihr hin?", hören sie eine tiefe und kratzige Stimme sagen. Es ist Caligo, aber in ihrer hässlichsten Form. Nichts von der Schulleiterin ist wieder zu erkennen. Nur das gelüftete Geheimnis lässt sie wissen, wer vor ihnen steht.
Starr bleiben die Mädchen stehen und sehen wie sich die Gestalt von Caligo wieder in die ihnen bekannte verwandelt. Es dauert nur wenige Sekunden, bis die schwarzhaarige Schulleiterin wieder vor ihnen steht.
"Denkt Ihr wirklich, ich lasse euch gehen?", lacht Caligo.
Die Mädchen schlucken, wissen nicht was sie tun sollen.
"Ihr zwei seid faszinierend. Den einen Tag wolltet ihr euch noch gegenseitig umbringen und nun? Seht euch an, konntet meinem Bann widerstehen. Ihr konntet eure Kräfte nutzen, obwohl ich sie blockiert habe.", redet sie weiter und verschränkt die Arme hinter dem Rücken und geht ein paar Schritte zur Seite. "Ihr müsst natürlich verstehen, dass ihr für mich eine besonders große Gefahr darstellt. Ich könnte euch gewiss anbieten als meine... Handlanger an meiner Seite zu leben. Leider muss ich euch jedoch sagen, dass ich euch nicht vertraue und eure Kräfte sind mir außerdem zu gefährlich, als dass ich das alles aufs Spiel setzen würde. Ich kann euch so nicht kontrollieren. Außerdem... ich will meine Macht gar nicht teilen.", grinst die schwarze Hexe und zuckt mit den Schultern. Angst und Wut mischen sich in den Mädchen. Sie wissen nicht was sie tun sollen. Angreifen? Weglaufen? Wohin? Fiona ballt die Fäuste. "Ich würde Ihnen niemals dienen!", schreit sie.

Caligo grinst noch breiter: "Ach nein? Gut, das wollen wir mal sehen." Sie hebt die Hände und streckt sie dem Mädchen entgegen.
Auf ein Mal verkrampft Fiona sich und wirft den Kopf in den Nacken. Sie kreischt und kann sich nicht bewegen.
"Fiona!", ruft Josy und versucht sie festzuhalten. Doch kann sie nichts tun, um dem schreienden Mädchen zu helfen. Josy sieht, wie die Adern unter Fionas Augen hervor treten und wie rot sich ihre Haut färbt. Und dann verstummt sie plötzlich und lässt den Kopf und die Arme schlaff runterhängen. Wie an einem Strick hängt sie da, nur steht sie mit den Füßen fest auf dem Boden. Josy tritt einen Schritt zurück. Langsam hebt Fiona ihren Kopf, aber man kann ihr Gesicht nicht sehen. 
"Fiona?", flüstert Josy, Caligo lächelt. Fiona stöhnt und sieht zu Josy, welche zurück schreckt. Fionas Haut ist aschfahl und ihre Augen schwarz wie die Nacht. Sie stöhnt erneut und sieht zu Caligo. 
"Töte sie.", sagt die schwarze Hexe trocken und nickt in Josys Richtung. Fiona dreht sich schwerfällig um und plötzlich legen sich unsichtbare Hände um Josys Hals, drücken ihn zu und heben sie in die Luft.

HIER geht es zu PART 8 :-)

© Dia Nigrew/Claudia Wergin

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