Dienstag, 31. Mai 2016

Das Heim für besondere Mädchen - Part 3



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Die Sonne steht tief und Fiona sitzt vor der Hütte auf dem Boden und zeichnet Kreise mit einem Stock in den Staub. Josy steht vor der Barriere und sieht zur Villa. Keine von beiden hat sich bisher in die Hütte getraut, denn die Angst ist zu groß.
"Wir werden sterben.", sagt Josy trocken und Fiona sieht auf. "Ich dachte du kannst die Zeit beeinflussen und nicht in die Zukunft sehen?", gibt Fiona nur zurück.
Josy dreht sich um: "Du Scherzkeks. Als ob du es nicht auch wüsstest. Wenn wir in diese Hütte gehen, unterschreiben wir unser Todesurteil. Wer weiß denn, was darin lauert!?"
Fiona sieht über Ihre Schulter und zur Tür. Sie schluckt.
"Okay, draußen können wir in der Nacht jedenfalls nicht bleiben.", sagt Fiona entschlossen und steht auf.
"Und was schlägst du vor? Möchtest du ein Tipi bauchen!?", entgegnet Josy ihr genervt.
"Meine Güte, jetzt hör doch mal auf. Ich habe auch angst und du glaubst gar nicht wie sehr! Aber wir müssen eine Lösung finden. Pass auf, ich werde die Tür öffnen und falls da etwas rausgesprungen kommt, hältst du die Zeit einfach an. Okay?", schlägt Fiona vor, Josy schluckt und nickt. Fiona geht ein paar Schritte zurück, hebt die rechte Hand und die Tür der Hütte geht langsam auf. Josy zittert am ganzen Körper, doch nichts passiert.
"Mach es trotzdem und sieh dich darin um. Es kann nichts passieren, wenn die Zeit steht.", sagt Fiona entschlossen und Josy schließt die Augen. Das Gras schaukelt und der Wald wispert nicht mehr im Wind. Josy geht langsamen Schrittes auf die alte Holzhütte zu und sieht starr gerade aus. Es ist nicht der alte Schuppen, der ihr so eine angst macht. Es ist die Tatsache, dass ihre Schulleiterin sie eiskalt dorthin verfrachtet hat, dass sie sie loswerden wollte.
Josy betritt die zwei Stufen die zur Hütte führen, die von innen dunkel ist. Sie lässt ihren Blick zum Wald schweifen und dann wieder zum Inneren der Hütte, bevor sie den ersten Fuß über die Schwelle setzt. Es riecht modrig und alt und der Staub liegt in mehreren Schichten auf dem Boden. Der Raum ist nicht sehr groß. Direkt rechts neben der Tür steht ein alter Kleiderschrank, links ein kleiner Holztisch mit einem Stuhl. Am anderen Ende des Raumes stehen rechts und links zwei Betten, dazwischen liegt eine Tür. Josy schluckt noch einmal und geht auf die Tür zu. Kurz davor bleibt sie stehen. "Es kann nichts passieren.", sagt sie zu sich selbst und ergreift den Türknauf. Sie dreht ihn langsam um und die Tür öffnet sich mit einem lauten Knatschen. Ein fauliger Geruch kommt Josy entgegen und sie hält sie die Hände vor Mund und Nase. Es ist ein kleines Badezimmer mit verdrecktem Waschbecken links und Toilette rechts. Gerade aus steht eine alte Badewanne, welche aber mit braunen Flecken gesprenkelt ist. Josy dreht sich um und rennt raus. Draußen lässt sie sich neben Fiona zu Boden fallen und schnappt nach Luft. Sie schließt die Augen und hört Fiona auf einmal neben sich atmen.
"Was ist passiert?", fragt sie erschrocken.
"Nichts, keine Gefahr. Es ist einfach nur widerwärtig, es stinkt. Da ist ein kleines Badezimmer, dort riecht es nach Verwesung und Tod. Ich musste raus rennen, ich habe es nicht ertragen. Da ist hundert pro jemand oder etwas gestorben.", antwortet Josy und blickt langsam zu Fiona auf. Fiona nickt und sieht zur Hütte.
"Okay, warte hier. Ich gehe auch mal rein.", sagt Fiona und geht in die Hütte. Der Geruch aus dem Badezimmer hat nun die ganze Hütte erfüllt und auch Fiona muss sich die Nase zuhalten. Sie geht in den kleinen Raum mit der stinkenden Wanne und schiebt den Duschvorhang zur Seite. Eine Pfütze aus braunen Matsch vegetiert dort vor sich hin. Sie möchte gar nicht wissen, was das ist. Fiona dreht sich um und dreht den Wasserhahn auf. Erst poltert es in der Leitung, dann kommt etwas heraus. Das Wasser ist erst braun, verliert aber nach ein paar Sekunden diese Farbe und wird klar.
Josy sitzt draußen und rümpft immer noch die Nase, als sie plötzlich vom inneren der Hütte Geräusche hört. Sie steht gerade auf, als ein Besen und ein Kehrblech ihr von allein entgegen kommen und den Staub aus der Hütte fegen. "Fiona?", ruft sie etwas skeptisch.
"Ja?", kommt aus der Hütte.
"Weißt du, dass hier ein Besen und ein Kehrblech durch die Gegend laufen?"
"Ja, die habe ich im Schrank gefunden. Ich mache hier etwas sauber. Ich habe eine Hausstauballergie."
Josy verdreht die Augen. "Findest du nicht, dass wir gerade andere Sorgen haben? Es wird gleich dunkel!"
"Ich weiß... bin gleich schon fertig! Außerdem bist du doch diejenige die einen Brechreitz bekommen hat, als sie hier rein gegangen ist. Also sei lieber dankbar."
Josy dreht sich um. Da hat Fiona leider recht, sie ärgert sich. Josy geht zum Waldrand und sammelt ein paar dicke und große Äste, um später die Tür verbarrikadieren zu können. Als sie sich gerade bückt um einen großen Stock aufzuheben hört sie nur ein platschen hinter sich. Josy dreht sich vor Schreck um und sieht die Masse aus der Badewanne am Ende der Barriere liegen. Fiona muss sie aus der Badewanne und aus der Hütte fliegen lassen haben.
Als sie ein paar Äste zur Hütte trägt, ist diese zwar immer noch modrig, aber weniger staubig und es riecht nicht mehr nach einer Leiche im Keller.
"Es wird bald dunkel! Wir müssen die Türen und Fenster verbarrikadieren!", ruft Josy und geht zu Fiona ins Badezimmer. Es riecht nicht mehr so schlimm und man könnte fast sagen, es sei sauber. Fiona sitzt auf dem Boden und sieht hinunter. "Alles in Ordnung?", fragt Josy. Fiona blickt hoch, ihr laufen Tränen über das Gesicht: "Nein. Ich bin nachtblind, ich sehe nichts bei Dunkelheit. Und nun sitze ich hier in dieser Hütte, in der es gleich stockduster sein wird und werde vermutlich nicht mal die erste halbe Stunde überleben, weil ich irgendwo vor laufe und mir das Genick breche bevor mich eine Gestalt aus dem Wald erwischt."
Josy sieht sie ein paar Minuten an und zieht sie dann hoch. "Doch, das wirst du. Denn wenn du hopps gehst und ich nicht, denkt Caligo wahrscheinlich, dass ich dich im Schlaf erdrosselt habe. Und die Strafe dafür will ich mir nicht ausmalen. Und jetzt komm. Solange es noch ein bisschen Licht draußen gibt, kannst du sehen und mir beim Holzsammeln helfen. Wo ist dein blühender Eifer von vorhin hin!?"
"Der verabschiedet sich mit jedem schwindenden Sonnenstrahl immer mehr von mir.", antwortet Fiona. "Ach, halt doch die Klappe. Komm jetzt.", blafft Josy sie an und zieht sie aus der Hütte.
Der  Himmel ist schon fast schwarz, der Wind weht und lässt die Bäume ihr nächtliches Geflüster beginnen. Josy sieht zum Wald und bleibt stehen. "Fiona...", beginnt sie nur. Fiona sieht zu den Bäumen und sieht eine Gestalt zwischen ihnen stehen. "In die Hütte, sofort.", flüstert sie und beide rennen und schlagen die Tür hinter sich zu. Sie nehmen sich sämtliche Äste die auf dem Boden liegen und stemmen sie gegen die Tür, schieben noch den kleinen Tisch und den Stuhl davor. Es gibt nur ein Fenster, dort schieben sie den Schrank vor. Als sie fertig sind, sehen sie sich an und lauschen den Geräuschen von draußen. Es ist still, aber die Nacht beginnt.

HIER gehts zu Part 4 :-)

© Dia Nigrew/Claudia Wergin

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