Dienstag, 24. Mai 2016

Das Heim für besondere Mädchen - Part 2

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Mathildas Schrei war so laut, dass die Bretter an den Wänden leicht zitterten. Fiona und Josy hielten sich die Ohren zu und blieben abrupt stehen. Mrs. Caligo seuftze und wartete lediglich bis es vorbei war. "Dieses Mädchen..", stöhnte sie nur. Ihr Schrei war so schnell gegangen wie er gekommen war, doch Fiona und Josy stehen seither mit zugehaltenen Ohren im Gang. "Möchtet Ihr Wurzeln schlagen?!", fragt die Schulleiterin schroff während sie weiter geht. Die Mädchen nehmen die Hände von den Ohren und folgen ihr durch den schmalen Gang bis in ihr Büro.
Mrs. Caligo setzt sich an ihren langen, aus Kiefernholz gefertigten Schreibtisch und faltet die Hände zusammen.
"Setzt euch.", sagt sie in einem ruhigen, doch bestimmten Ton. Die Mädchen tauschen einen schnellen Blick und setzen sich auf die beiden roten Samtsessel, welche vor dem Schreibtisch stehen.
Ohne Umschweife beginnt die Frau in Schwarz direkt zu sprechen an: "Ich schätze Ordnung. Ich schätze Disziplin. Ich nehme an, ihr beide wisst weswegen Ihr hier seid. Eure kleinen Auseinandersetzungen häufen sich in letzter Zeit und gefährden die Ruhe und den Frieden, den wir uns hier mühsam aufgebaut haben. Wenn andere Mädchen sehen, dass Ihr macht was Ihr wollt und eure Kräfte ohne nachzudenken gegeneinander einsetzt, wird diese Schule nicht mehr lange existieren." Stille. Josy schürzt die Lippen, nicht bereit die Schuld bei sich zu suchen. Fiona setzt zum sprechen an, um sich zu rechtfertigen doch Mrs. Caligo hebt die Hand und Fiona verstummt.
"Ich will nichts hören. Eine Diskussion mit Hexen in eurem Alter macht keinen Sinn. Ihr seht eure Fehler jetzt sowie so nicht ein. Noch nicht.", sagt die Direktorin und fängt an zu grinsen. Sie steht auf, faltet die Hände hinter dem Rücken und geht um den Tisch. Danach fährt sie fort: "Deswegen muss euer Verhalten bestraft werden. Ihr, aber auch die anderen Hexen an dieser Schule müssen begreifen, dass so ein Benehmen nicht geduldet wird! Deswegen werdet ihr die kommenden 3 Tage und 3 Nächte in der Waldhütte am Rande des Schulgeländes verbringen."
Die Hütte
Josy schreit kurz auf und Fiona schluckt den Kloß in ihrem Hals herunter. Der Schock sitzt tief, denn der Wald ist nicht sicher und die Hütte noch viel weniger. Merkwürdige und gefährliche Gestalten sind nachts im und am Wald unterwegs und streifen durch die Dunkelheit. Die Hütte ist noch brüchiger als die Villa in der die Mädchen leben und jeder der sich bei Nacht dort aufhält ein gefundenes Fressen für die Kreaturen der Dunkelheit. Die Schülerinnen kennen die Geschichten, die sich erzählt werden. Sie sind Warnungen, die aber mit der Zeit nicht mehr all zu ernst genommen wurden. Sie waren einfache Gruselgeschichten. Es hieß, dass Schülerinnen bei schwerer Missachtung der Regeln in der Hütte übernachten mussten aber fortan nicht mehr zurück kamen. Vom einfachen Verschwinden bis hin zu Massakern ist die Rede gewesen. 
"Ich werde euch nun dorthin bringen. Ohne Umschweife. Ihr dürft nicht in eure Zimmer. Euch werden morgens und abends Mahlzeiten und Kleidung zum Wechseln gebracht. Gehen wir.", sagt Mrs. Caligo bestimmt und deutet den Mädchen mit den Händen, dass sie aufstehen sollen.
Josy sitzt steif im Sessel genau so wie Fiona. Sie starren beide in die Leere, sind gelähmt vor Angst. "Aufstehen. Auf der Stelle.", wispert die schwarze Frau nur und holt die Mädchen so aus ihrer Schockstarre. Fiona sieht zu Josy hinüber, welche einfach aufsteht und sich mit wackeligen Beinen umdreht. 'Es sind nur Gruselgeschichten gewesen...', denkt sie sich und bemüht sich aufrecht stehen zu bleiben. Fiona hofft dasselbe."Wir werden durch den Speisesaal gehen. Dort werde ich den Anderen eure Strafe verkünden.", sagt Caligo ohne sich umzudrehen, während sie zur Tür geht. "Unsere Strafe verkünden?", fragt Josy ungläubig. Die Direktorin schnaubt: "Denkt Ihr im Ernst, dass das unser kleines Geheimnis bleibt? Ich werde mit Eurer Hilfe dafür sorgen, dass derartige Vorfälle hier nicht mehr vorkommen werden. Die Hütte wurde schon zu lange nicht mehr genutzt. Es wird Zeit hier wieder härtere Saiten aufzuziehen."
Josy und Fiona schauen sich nur an. Es waren keine Gruselgeschichten, es war die Wahrheit. 
Im Speisesaal angekommen sitzen noch alle Mädchen beim Frühstück, verstummen jedoch, als die Direktorin mit Fiona und Josy hineinkommt.
"Wie schön, dass ich direkt Eure Aufmerksamkeit habe,", beginnt Caligo und lächelt. Sie schaut sich um und fährt mit ernster Miene fort: "Heute Morgen haben zwei Schülerinnen, wie in letzter Zeit des Öfteren, bewiesen, dass hier die Regeln derzeit nicht geachtet werden. Wir sind eine geordnete, disziplinierte Einrichtung für unseresgleichen. Wir geben euch zu Essen, lehren euch die Künste der Magie, geben euch einen Platz zum Schlafen. Und so wird es gedankt!? Es wird Zeit die Zügel wieder zu straffen, denn ein derartiges Verhalten wird hier nicht mehr geduldet! Die Hausordnung wird missachtet und das Schlimmste: die gegebenen Kräfte werden gegeneinander eingesetzt. Das war das letzte Mal, dass ich sowas in meiner Anstalt dulde! Ich werde Fiona und Josy nun höchstpersönlich in die Hütte bringen! Dort werden sie drei Tage und drei Nächte verbringen, um über ihr Verhalten nachzudenken. Sollten sie diese drei Tage überstehen, bekommen sie nochmal eine Gelegenheit sich zu beweisen. So werden wir hier nun zukünftig immer mit Regelverstößen umgehen: jede die gegen die Hausregeln verstößt, wird in die Hütte gebracht um über ihr Fehlverhalten nachzudenken. Und seid gewarnt, denn es wird nicht nur die Zeit abgesessen. In jeder eurer kleinen Gruselgeschichten, steckt auch mindestens ein Funken Wahrheit. Und jetzt kommt ihr Zwei, wir gehen."
Stille. Selbst Mathilda ist zu geschockt, um ihren Kopf rot aufquellen zu lassen. Fiona und Josy folgen der Schulleitung hinaus, verfolgt von schockierten und mitleidigen Blicken.
Es dauert nur 15 Minuten bis sie an der brüchigen Hütte angekommen sind. Josy und Fiona gehen auf diese zu, während Caligo einen Bann spricht. "Ihr werdet euch nur 20 Meter von der Hütte entfernen können. Der Bann sorgt dafür, dass ihr diese Marke nicht überschreitet. Dieser Zauber gilt aber nur für euch Beide. Jeder oder alles andere kann durch den Kreis schreiten. Denkt über euer Verhalten nach, vielleicht ist es auch das Letzte was Ihr tun werdet. Wir werden sehen. Viel Glück.", sagt die schwarze Hexe und geht zur Villa zurück. 

© Dia Nigrew/Claudia Wergin

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