Mittwoch, 27. April 2016

Funkensprünge

Claires beste Freundin, Julia, hat eine Wiedersehens-Party für den ehemaligen Abschlussjahrgang 2006 in ihrem Haus organisiert. Sie war die damalige Schulsprecherin, daher war es für sie ein Klacks alles zu arrangieren. Es sind sogar fast alle gekommen: damalige Freunde und Feinde, welche Cheerleader, Sportler, Rüpel oder Streber waren und jetzt Manager, Anwälte, Burgerverkäufer oder hauptberuflich Eltern sind. Es ist alles dabei, die Palette ist weit gefächert.
Die Party ist noch im vollen Gange, als Claire sich im Ankleidezimmer ihrer Freundin versteckt. Sie braucht einen Moment für sich allein, um einmal durchzuatmen. Sie zittert und hat einen leicht trockenen Hals. Er ist hier. Er, der damalige Fußballstar der Schule der ihr im Gang immer zulächelte. Er hat bei Claire damals schon immer ein mulmiges Gefühl ausgelöst. Nur jetzt ist es irgendwie anders. Aus den jugendlichen Schmetterlingen ist... Begierde geworden.
Als Claire sich mit einer ehemaligen Klassenkameradin unterhielt die ihr gerade erzählte, dass sie die Schichtleitung bei McDonalds und drei Kinder hat, sah sie ihn mit Julia reden. Beide sahen Claire an. Er lächelte, ihre Freundin kicherte. Claire wurde sofort steif und drehte sich um. In ihrem Magen machte sich direkt ein Kribbeln breit, was sie bis in die Oberschenkel spürte. 'Oh Gott, sieht er gut aus...!', dachte sie als sie sich auf die Lippe biss und die Wand anstarrte. Sie schaute langsam über ihre Schulter und beobachtete ihn dabei, wie er weiter mit ihrer Freundin redete. Seine strohblonden, kurzen Haare waren frech hochgegelt. Seine von Natur aus braune Haut schimmerte im Licht und seine eisblauen Augen leuchteten wie Scheinwerfer. Sein Drei-Tage-Bart sah perfekt aus, genau so wie sein Lächeln und seine weißen Zähne. Wieder sah er zu Claire und hob in ihre Richtung sein Glas. Claire lächelte zurück und drehte sich wieder um. Sie entschuldigte sich bei ihrer alten Klassenkameradin und verließ das Wohnzimmer um zu flüchten. Das ist jetzt 10 Minuten her.
Es klopft an der Tür und sie schreckt hoch. Er kommt herein.
"Na. Claire? Versteckst du dich vor mir?", fragt er während er die Tür zu macht.
Sie schluckt. "Nein, natürlich nicht. Ich wollte nur einen Moment... ruhe."
"Zu viel Tumult da unten?", fragt er und zieht die Augenbrauchen hoch. 
'Ja, aber nicht im Wohnzimmer...', antwortet sie in Gedanken. "Viele alte Gesichter, manche hätte ich heute lieber nicht wiedergesehen."
"Oh, ich hoffe ich gehöre nicht dazu?", er geht einen Schritt zurück.
"Großer Gott, nein. Dich zu sehen ist...", sie verstummt und beißt sich auf die Unterlippe, diese Augen!
"Ja?", er kommt ein paar Schritte näher und lächelt verschmitzt.
"Ist...", er kommt noch ein paar Schritte näher, als Claire wieder verstummt. Ihr fehlen die Worte. Er steht nur noch einen Schritt von ihr entfernt. Sie muss kurz lachen und dreht sich um, doch er packt sie an der Schulter und zieht sie zu sich. Sie sehen sich direkt in die Augen. 
"Du warst in der Schule schon so anziehend, aber du warst immer so unnahbar. Jetzt sind wir allein, jetzt muss ich dich haben.", haucht er. Ihre Gesichter sind nur wenige Zentimeter voneinander entfernt. Sie kann nicht atmen, hält die Luft an. Ihr Herz rast und ihre Augen wandern von seinen Augen zu seinem Mund.
"Unnahbar, warst du. Der begehrte Sportler...", sie schließt die Augen.
"Und du das schöne Mädchen aus der Nachbarklasse, die heimlich jeder bewunderte.", flüstert er und küsst sie sanft. Sie legt die Arme um seine Schultern und seufzt, während sein Griff um ihre Taille etwas fester wird. Aus Sanftmut wird Leidenschaft die anfängt in Claire zu brodeln und aufzusteigen. Der Kuss wird wilder, begieriger.
"Wir können nicht... was ist wenn jemand...", bringt Claire nur hervor, während er sie weiter an sich zieht. Er löst sich widerwillig aus ihrem Griff und geht zur Tür. Der Schlüssel steckt und er dreht ihn ins Schloss.
"Jetzt kommt hier keiner rein und du hier nicht raus.", lächelt er und zieht sich das Jacket aus, schmeißt es auf den Boden und zieht Claire erneut zu sich. Seine vollen Lippen berühren die ihren, während er ihre weiße Bluse aufknöpft. Sanft lässt er seine großen, weichen Hände über ihre zarten Arme gleiten und streift so ihre Bluse herunter. Er küsst ihren Hals und sie lässt ihren Kopf in den Nacken fallen. Seine Hände packen sie fest am Po und sie küssen sich erneut. Sie knöpft sein Hemd auf und sieht seine trainierte Brust und seine Muskeln. Sie küsst seinen Hals, das Schlüsselbein und die Schultern während er sich sein Hemd auszieht und seinen Gürtel öffnet. Er stöhnt und packt sie an den Hüften um sie auf die Kommode an der Wand zu setzen. Sie küssen sich leidenschaftlich, während er ihren BH öffnet und sie seine Hose. Er schiebt ihren Rock nach oben... beide stöhnen. Unten geht die Party weiter, im Ankleidezimmer steigt eine private.
Die Zeit scheint zu vergehen, doch Claire fühlt sich wie im Nirvana gefangen. Doch sie will nicht ausbrechen, am liebsten würde sie für immer in dieser Ekstase verweilen.
Julias Ankleidezimmer ist nicht gerade klein. Von der Kommode begeben sie sich beide eng umschlungen zu dem kleinen Sofa, welches in der Mitte des Raumes steht. Er setzt sich auf den roten, samtigen Stoff. Claire setzt sich auf ihn. Alles verschwimmt in den gleichmäßigen Bewegungen, die mal schneller und mal langsamer werden. 
Sie sieht sich im großen Wandspiegel der ihr gegenüber hängt und betrachtet seine breiten Schultern und seinen Kopf, den er in den Nacken gelegt hat. Er hat die Augen geschlossen und scheint den Moment sichtlich zu genießen.
Beide stehen kurz vor dem Höhepunkt ihres Rausches und um schneller ans Ziel zu kommen, werden ihre Bewegungen hektischer. Claires Bauch kribbelt, sowie der Rest ihres Körpers. Ein letzter Stoß, ein letzer Schubs und Claire ist am Ziel angekommen. Er folgt ihr kurz darauf. Sie sacken beide zusammen und ringen nach Luft.
Einen Moment verweilen sie noch ineinander verschlungen auf dem kleinen Sofa, bis sie aufsteht und nach ihren Sachen sucht. Nach 10 Minuten sind beide angezogen und sehen aus, als sei nie etwas gewesen. Er streicht ihr eine Strähne hinter das Ohr und küsst sie auf die Stirn.
"Ich gehe zuerst raus, damit es nicht auffällt. Und wenn du nach mir wieder unten im Wohnzimmer bist, möchte ich... nein ich verlange deine Telefonnummer!", sagt er und zwinkert Claire zu.
Er verlässt vorsichtig das Ankleidezimmer und schließt die Tür. Claire schaut in den Spiegel in dem sie sich gerade noch beobachtet hat. Sie grinst.

© Dia Nigrew/Claudia Wergin

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