Dienstag, 9. Februar 2016

Kettenreaktion - Wenn der Tropfen das Fass zum Überlaufen bringt


Cornelius hat nicht daran gedacht, dass er heute um 5:00 Uhr aufstehen muss, als er gestern Abend mit seinem Bruder in einer Bar mehrere Bierchen seinen Rachen runter schüttete. Schwerfällig erhebt er sich aus seinem Bett und geht zu seinem Schrank, um sich etwas zum Anziehen zu holen. Doch leider ist das Bett breiter, als von Cornelius kalkuliert und er stößt sich den kleinen Zeh an der Bettkante. Ein Schrei, er hält sich den Fuß und beißt sich auf die Zunge. "So eine Scheiße!" ruft er. Nur blöd, dass keiner da ist, der ihn hören könnte. Humpelnd geht er ins Bad und stellt sich unter die Dusche. Doch anstatt warmes Wasser, kommt erst Eiskaltes aus der Brause. Ein weiterer Schrei: "Man!" 

Na ja, einen Vorteil hat die kalte Dusche: Cornelius ist jetzt wach. Er geht in die Küche und macht sich einen Kaffee, aber die Maschine scheint auch noch wach werden zu müssen, denn sie scheint ewig zu brauchen um eine Tasse mit Kaffee zu füllen. Nach einer gefühlten Stunde ist die Tasse endlich voll, aber als Cornelius gerade ein bisschen pusten will, um die braune Flüssigkeit etwas zu kühlen, bleibt ihm vor Schreck der Atem weg. "Schon so spät!? Verdammt!" denkt er und will hastig einen Schluck Kaffee nehmen. Ach ja, der war ja noch heiß... aber fluchen kann Cornelius jetzt nicht, weil er sich ziemlich schlimm die Zunge verbrannt hat. Er schnappt sich seine sieben Sachen, sprintet zum Auto und fährt los. "Toll, ne rote Ampel... ist ja nicht so, dass ich keine Zeit habe!" sagt Cornelius zu sich selbst (er lispelt jetzt ein bisschen). Die Ampel wird grün, aber das rote Auto vor ihm fährt nicht los. Cornelius hupt, aber es passiert nichts.

In dem Auto sitzt Otilia, die im Vergleich zu dem Autofahrer hinter ihr, einen sehr entspannten Morgen hatte. Sie war nur kurz am träumen und bekommt einen Schreck, bei dem lauten Gehupe. Sie würgt ab, startet aber schnell wieder das Auto und fährt los. Das Auto hinter ihr schafft es aber nicht mehr über die Ampel. Uups. Sie schaut in den Rückspiegel und sieht den wutentbrannten Fahrer ihr zwei Stinkefinger zeigen! Wie bitte!? Unverschämtheit, sowas kann jedem mal passieren! Als sie bei der Arbeit ankommt, geht ihr dieser Typ nicht mehr aus dem Kopf. "Wie kann man nur so ekelig sein!?" denkt sie laut. Ihr Kollege, Paul, fragt ob alles in Ordnung sei. "Ja, doch!" fährt sie ihn an.

"Ist ja gut, ich frage doch nur!" sagt Paul und geht weiter. "Was für eine Zicke." denkt er sich und verdreht die Augen. Während er das tut, rempelt er Henriette an, ohne sich zu entschuldigen.

Alle ihre Akten liegen nun auf dem Boden. "Ey, pass doch auf!" ruft sie ihm noch hinterher. Er geht aber unvermittelt weiter. Wütend kniet sie sich auf den Boden und sammelt alle Blätter wieder auf und stapft danach zu ihrem Schreibtisch zurück. Das Telefon klingelt und sie geht ran. Ein Kunde. Er hat sein Passwort zu seinem Kundenkonto vergessen, schon wieder. Der ruft ständig an. Jetzt reicht es. Henriette weist ihn zurecht und gibt ihm, für sie das letzte Mal, sein Passwort durch und schmeißt den Hörer auf das Telefon.

Heinz ist fassungslos! Was für ein unfreundliche Person und kein Verständnis für die ältere Generation. Nur weil man sich dieses 10-stellige Passwort nicht merken kann! Wenn sie so überfordert mit anderen Menschen ist, hat diese Frau den falschen Job gewählt. Das ist nicht das erste Mal, dass diese Dame so unfreundlich ist. Wie gut, dass er die Rufnummer von der Abteilungsleitung hat. Sowas ist doch kein Service! Er bezahlt jeden Monat seine Monatsgebühr und die zusätzlichen Rechnungen, da erwartet er zumindest Freundlichkeit am Telefon, wenn es schon sooft Probleme mit der Lieferung der Ware gibt! Er wählt die Nummer und legt sofort los. Er redet sich in Rage und lässt die Person am anderen Ende der Leitung gar nicht zu Wort kommen. Sich rausreden, gibt es jetzt nicht mehr!

Hannelore muss den Hörer von ihrem Ohr weghalten, damit sie keinen Tinnitus bekommt, so laut schreit der Mann am anderen Hörer. Sie versucht ihn zu beruhigen und etwas zu vertrösten, aber das macht alles nur noch schlimmer. Jetzt wird er sogar persönlich und beleidigt sie! Hannelore reißt der Geduldsfaden und lässt sich sein Verhalten nicht mehr bieten. Sie schreit zurück und legt einfach auf. Ihr Puls ist auf 180, aber Gott sei Dank ist jetzt Mittagspause. Sie geht zum nahe liegenden Bäcker um sich etwas zu essen zu holen. Beim Bäcker angekommen, sieht sie eine lange Schlange. "Super!" denkt sie nur. Als sie nach 20 Minuten endlich an der Reihe ist, ist die Verkäuferin hinter den Tresen immer noch zu langsam, als sie Hannelores Brötchen belegen soll. Hannelore hat doch nicht so viel Zeit... "Sagen Sie, geht es vielleicht auch etwas schneller? Ich habe nicht so lange Mittagspause!" blafft Hannelore sie an.

Brigitte schaut nicht auf, als die Frau sie so anschnauzt. Sie belegt halbherzig das Brötchen zu Ende und stopft es ihr in die Tüte. Als sie abkassiert hat, schaut sie auf die Uhr: 13:30 Uhr, Feierabend. Sie lässt die anderen Kunden stehen und rennt nach hinten. Was für ein beschissener Tag! Viel zu wenig Leute, viel zu viele Kunden. Alle ungeduldig und verständnislos. Alle haben gesehen, wie viel los war, aber keiner hat mal ein bisschen Verständnis gezeigt. Es ist zum kotzen! Zuhause angekommen, muss Brigitte noch Wäsche waschen und Essen kochen. Außerdem muss sie noch spülen, weil eine Spülmaschine ja, laut ihrem Mann, viel zu teuer sei. Hilfe bekommt sie keine, die Kinder sind schon ausgezogen und sie ist in der Rolle der Hausfrau hängen geblieben, obwohl sie nun wieder arbeiten geht. Als Brigittes Ehemann nachhause kommt, setzt er sich direkt an den Küchentisch, an dem Brigitte ihm sein Essen serviert: Kotelett mit Kartoffeln, Gemüse und Bratensoße.

Richard schaut auf seinen Teller. Schon wieder dasselbe. Er schaut seine Frau ohne jeglichen Ausdruck an und schneidet sich ein Stück Fleisch zurecht. "Ist aber ganz schön zäh," sagt er, während er noch kaut. Seine Frau verdreht die Augen. "Weißt du was!? Das war's! Ich habe keine Lust mehr! Koch doch selbst! Du bist mir nicht mal dankbar, sagst nicht mal 'Hallo' wenn du zur Tür rein kommst. Was glaubst du eigentlich wer ich bin!? Jedenfalls nicht dein Hausmädchen! MIR REICHT ES!" blafft sie. "Sag mal, wie redest du denn mit mir!? Ich bin immer noch dein Mann!" sagt er. Was bildet sie sich ein, so mit ihrem Ehemann zu sprechen!? Er geht jeden Tag schwer arbeiten, damit er sie versorgen kann. Sie kann selbst auch arbeiten gehen, wenn sie das unbedingt will, auch wenn sie das nicht nötig hätten. Er sagte dazu bisher keinen Ton, auch wenn es ihm etwas missfällt. So redet sie nicht mit ihm! Er fängt an zu brüllen, sie fängt an zu schreien.

Was ist das Ende vom Lied? --> Scheidung.

© Dia Nigrew/Claudia Wergin

1 Kommentar:

  1. Mein erster Gedanke war: das ist aber mal schnell eskaliert :-) Ich glaube, jeder der eine Beziehung erlebt bzw. durchlebt hat, kann diese Geschichte nachempfinden. Schön geschrieben!

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