Montag, 18. Januar 2016

Todesangst

Es ist dunkel, schwarz. Es ist so still, dass er nur das Rauschen seines Blutes in den Ohren hört. "Wo bin ich?" denkt er sich, während er aufsteht. Er versucht zu warten, bis seine Augen sich an die Dunkelheit gewöhnt haben, um etwas zu erkennen. Aber er sieht nur das tiefe Schwarz der Dunkelheit um ihn herum. Panik überkommt ihn. Er dreht sich im Kreis, atmet schwer. Es ist stickig. Plötzlich hört er hinter sich ein ächzen, ein stöhnen. "Hallo?" sagt er leise mit einer zittrigen Stimme. Nichts. Es ist still und so steht er da, unfähig sich zu bewegen. Die Angst überkommt ihn, seine Atmung wird schneller. Er schreit bis seine Kehle brennt und ihm die Luft ausgeht. Plötzlich erklingt ein ohrenbetäubendes Brüllen, ein paar Meter weit weg von ihm. Er fällt zu Boden und wieder lässt dieses Gebrüll seine Ohren klingeln.
Ein Licht über ihm geht an. Schützend hält er sich die Arme vor die Augen, bis diese sich an das grelle Licht gewöhnt haben. Und als er aufblickt, stockt ihm der Atem: vor ihm liegt ein Haufen an nackten Gestalten, mit langen, dürren Armen und Beinen. Die dünne Haut spannt über die schmalen Knochen. Hände und Füße bestehen aus drei Klauen mit langen Krallen. Sie sehen von der Statur irgendwie menschlich aus, dann aber wieder doch nicht. Die Köpfe sind groß und kahl. Und dort wo Augen sein sollten, sind die Augenhöhlen mit der dünnen Haut überzogen. Anstelle einer Nase haben sie zwei schmale Löcher, wie eine Schlange und ihre Münder sind breit und mit spitzen, gelben Zähnen besetzt.
Es müssen um die 20 Monster sein, die sich knappe 5 Meter von ihm rekeln und aufeinander rum kriechen. Er verliert die Fassung und schreit erneut. Vor Schreck. Die Monster blicken blind in seine Richtung und brüllen nun im Chor. Sie bewegen sich auf ihn zu. Panisch blickt er hinter sich und sieht einen schwarzen Gang der ins nichts führt. Er kriecht rückwärts bis er auf den Füßen steht und rennt auf die schmale Spalte zu bis er im Nichts verschwindet. 
Er rennt einen schmalen Gang entlang, alle 200 Meter wird ein Lichtkegel sichtbar, der von oben hinab leuchtet. Der Rest ist schwarz. Er wird immer schneller und weiß nicht, woher er diese ganze Energie nimmt oder wie er überhaupt in diese missliche Lage gekommen ist, sodass er um sein Leben rennen muss. Er weiß nur, dass er keine Wahl hat. Sonst stirbt er.
Von hinten ist ein Brüllen zu hören, aber es ist weder von Mensch noch Tier. Viele, schwere Schritte verfolgen ihn. Es ist diese Horde. Er rennt und rennt und rennt. Aber dieser Gang nimmt kein Ende und langsam geht ihm die Luft aus. Doch plötzlich wird er gestoppt, in dem er mit voller Wucht gegen eine Wand rennt, die im schwarz nicht zu erkennen war. Es knackt in seinem Gesicht und als er zu Boden fällt, spürt er Blut aus seiner Nase laufen. Sie ist gebrochen. Sein Kopf dröhnt, ihm ist schwindelig, er weiß nicht wo oben und unten ist. Die Schritte kommen näher. Er versucht sich aufzuraffen, aber seine Beine knicken immer wieder ein. 20 Meter, 10 Meter, 5 Meter... er hört das Kratzen der Klauen auf dem Boden und versucht noch einmal aufzustehen. Er hält sich den Kopf und läuft rechts um die Ecke. Er schwankt hin und her und stößt immer wieder an die Seitenwände des Ganges. Er ist zu langsam, fängt an vor Angst zu weinen und stolpert über seine Füße. Eine Kralle packt ihn von hinten und bohrt sich in seine Wade. Er schreit vor Schmerz. Eine weitere Kralle bohrt sich in seinen Oberschenkel und so kommen immer mehr Arme, die ihn umschlingen und ihn langsam auseinander nehmen, bis sein Schreien erstickt und er das Bewusstsein verliert.

© Dia Nigrew/Claudia Wergin

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen