Samstag, 9. Januar 2016

Der erste Lichtblick

Es ist eng hier und es drückt von allen Seiten. Ich bin zu groß, ich möchte raus. Nein, ich muss hier raus... alleine schaffe ich es nicht, also: bemerkbar machen! Ich gebe ein Zeichen und klopfe an die Wände. Es rumst ein bisschen, doch das merke ich eigentlich kaum. Ich vernehme es eher als leichtes schwanken. Aber ich höre, wie die Tür ein kleines Klicken von sich gibt. Ich klopfe erneut und wieder macht es "klick". Aber diesmal etwas lauter, ich sehe in Richtung Tür: sie ist einen klitze kleinen Spalt offen. Da ist ein kleiner Schimmer. Ist das Licht?
Ich muss warten, ich kann nicht sofort rausstürmen. Ich kann schließlich nicht die Tür eintreten, wer soll da für den Schaden aufkommen? Ich bin nicht versichert. Noch nicht.
Also warte ich, aber nichts passiert. Was ist da los? Ich wage mich langsam voran, möchte nach dem Rechten sehen. Die Tür öffnet sich wieder ein bisschen. Mein Gott, geht das nicht ein bisschen schneller!? Ich mache einen größeren Schritt nach vorn, die Wände wackeln. FESTHALTEN! Oh, oh. Nach der Wackelpartie wird es wieder ruhig. Ich hoffe mir wird nicht schlecht, wenn das hier so weiter geht. Ich sehe wieder zum Ende des Ganges. Hey, die Tür hat sich mehr geöffnet. Zwar nicht viel, aber besser als nichts. Ich warte wieder, aber diesmal ein bisschen länger. Ich möchte nicht noch ein Erdbeben miterleben. Aber es passiert nichts. Ich klopfe nochmal an die Wände, keine Rückmeldung. Mmh, dann gehe ich mal einen kleinen Schritt. Ich klopfe nochmal ein bisschen stärker, ja die draußen haben mich gehört. Wie auch nicht? Ich bin quasi schon an der Pforte. Welche nun ein ziemlich großes Stück auf geht. Das ist meine Chance! Ich hechte hervor, ich habe jetzt aber auch lange genug gewartet! Mit dem Kopf zuerst versuche ich mich durch die viel zu kleine Tür zu quetschen, ich will ja auch sehen, wo mich das Ganze hinführt. Es ist aber so hell, dass ich meine Augen nicht auf machen kann. Ich werde durch die Tür gezogen, ich höre ziemlich viele Menschen. Meine Güte, was ist hier los? Ich bekomme einen Klaps,... ähm... hallo!? Frechheit! Ich fange an zu schreien, jemand muss mich retten! Wo bin ich hier gelandet? Wird man hier so begrüßt? Ich will zurück! Gefühlte 1.000 Menschen wuseln um mich herum... aber dann werde ich zu jemand bestimmten gebracht. Diese Person kommt mir bekannt vor. Ich liege auf ihrer Brust, ich höre ihren Herzschlag... mmh... meine Mama. Und sie sagt: "Willkommen auf der Welt, mein kleiner Sonnenschein." Und dann möchte ich doch nicht mehr zurück, ich möchte bei ihr bleiben. Für immer.

© Dia Nigrew/Claudia Wergin

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen