Donnerstag, 12. November 2015

Der Herzschlag ist immer gleich

Der Wind weht leise durch die Blätter einer Weide, welche am Ufer eines kleinen Sees steht. Die Sterne leuchten am Himmel und der Schein des Mondes spiegelt sich in den sanften Wellen des Wassers wieder. Ein weißer Gartenpavillon, welcher unter der Weide steht, wird durch gelbe Lichterketten erhellt. In ihm tanzen zwei Menschen. Ein Mädchen und ein Junge, beide kaum älter aks 15 Jahre. Sein Haar ist so schwarz wie Kohle, seine Haut braun von der Sonne und seine Augen so dunkel wie die Nacht. Das Mädchen hat blondes Haar, so leuchtend wie die Sonne, ihre Augen sind blau wie Meereswasser, ihre Haut weiß wie Schnee. Sie tanzen ohne Musik, aber das spielt keine Rolle. Gerade zählen andere Dinge. 
Sie kennen sich noch nicht lang, lernten sich in einer Turnhalle kennen. Er lebt dort, sie arbeitet dort. Sie versucht zu helfen, während er versucht sich vom Erlebten zu erholen und vielleicht ein neues Leben anzufangen. Er ist allein ins Land gekommen, denn seine Familie schickte ihn fort von der Gefahr. Er sollte es besser haben und da er noch jung und stark ist, konnte er den Weg besser allein zurück legen (dachten sie). 
Als sie Decken verteilte, sah sie ihn zum ersten Mal. Verängstigt und allein saß er auf einem Klappbett. Sie lächelte ihn an, aber er sah nur schnell zu Boden. Doch mit jedem Tag an dem sie kam, schwand sein Misstrauen. Sie war anders. Sie versuchten sich zu verständigen und freundeten sich an. Gefühle entwickelten sich schnell, aber die Toleranz von Außen blieb bisher aus. Ihr Vater verbot ihr weiter in der Turnhalle zu helfen, als er davon erfuhr. Die Leute zeigen mit dem Finger auf die Beiden, wenn sie gemeinsam die Straße entlang gehen. "Der ist nur mit dir zusammen um ein Visum zu bekommen!", "Der ist gefährlich!", "In einem Jahr musst du bestimmt ein Kopftuch tragen!". Hetzereien, Halbwissen und nur bedingte Wahrheiten aus der Zeitung machen es ihnen nicht leicht. So treffen sie sich heimlich.
Ihre Eltern sind auf einer Firmengala, somit können sie zum ersten Mal ungestört sein. Sie tanzen zu den stillen Klängen ihres Herzschlages. Die Lichter des Pavillons leuchten in ihren Augenwinkeln, es ist irgendwie magisch. Doch ein sirenenartiger Frauenschrei holt beide wieder zurück in die Realität: ihre Eltern stehen im großen Garten und ihr Vater zieht sie zu sich, während er ihn zu Boden schubst. "Ich rufe die Polizei! Weg von ihr du Terrorist!" Vor Schreck lauft er weg. Er rennt durch den Garten, klettert (wieder) über einen Zaun und ist wieder auf der Flucht.

© Dia Nigrew/Claudia Wergin

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