Mittwoch, 19. April 2017

14 Tage mit Dir - Tag 9 (Part 5)


»Ich habe von dir geträumt.«, sagt er leise.
»Von mir?«
»Ja. Wir saßen an einem See und die Sonne hat geschienen. Wir haben Eis gegessen.«
»Hört sich nach einem Date an.«
»Ja. Ich glaube, das war es auch.«
»Mmh.«
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»Es hat sich richtig echt angefühlt. Ich habe sogar die warme Sonne auf meiner Haut gespürt und das Eis geschmeckt.«
»Und was war es für eine Sorte?«
»Erdbeere.«
»Wirklich? Ich hätte dich eher für den Schokoladentypen gehalten.«
Jonas lächelt schwach.
»Es war so real.«, eine Träne schleicht plötzlich über seine Wange. Ich schaue ihn an und lege meine Hand auf seine Wange. Mit dem Daumen streiche ich die Träne weg.

Irgendwie habe ich meine Berührungsangst verloren. Die letzten Tage hat es mich noch nervös gemacht, nur auf seiner Bettkante zu sitzen und jetzt? Ich würde ihn am liebsten die ganze Zeit berühren.
Seit gestern ist wieder alles anders.
Jonas hat den ganzen Tag geschlafen. Moni sagte, dass wäre normal. Wegen dem Morphin. Er kann auf die Schmerzmittel nicht mehr verzichten, denn die Durchbruchschmerzen kommen nun häufiger und viel intensiver. Außerdem versucht sein Körper vergebens durch den Schlaf noch ein bisschen Energie zu sammeln, um zu kämpfen. Auch, wenn er weiß, dass es vergebens ist. 
Seine Eltern saßen den ganzen Tag an seiner Seite. Dr. Schulte war auch da. Er redete mit ihnen, lange. Ich hörte seine tiefe, beruhigende Stimme, das Weinen von Jonas Mutter und zwischendurch die wackelige Stimme von seinem Vater. Wenn ich eine Minute Zeit hatte, stellte ich mich kurz vor die Tür und versuchte etwas zu lauschen. Ich weiß, das gehört sich nicht. Aber ich wollte nur wissen, ob alles so weit in Ordnung ist. Also habe ich im Grunde genommen nur nach dem Rechten gesehen. Neunmal. 
»Du weißt, dass man andere Leute nicht belauscht, oder?«, sagte Moni hinter mir, als ich ein letztes Mal vor der Tür stand. Ich erschreckte mich so sehr, dass ich aufsprang. Mit aufgerissenen Augen drehte ich mich zu ihr um, wusste aber nichts zu sagen. In diesem Moment kamen Jonas' Eltern und Dr. Schulte aus dem Zimmer. Natürlich.
Verwundert sahen sie Moni und dann mich an. Ein paar Sekunden vergingen bis Dr. Schulte sich an mir und Moni vorbei quetschte während ich Jonas' Eltern verlegen anstarrte.
Sein Vater seufzte und legte mir die die Hand auf die Schulter. »Du bist ein gutes Mädchen. Es ist schön, das Jonas jemanden wie dich jetzt hat.«, sagte er mit bebender Stimme. Tränen stiegen in seine Augen. Ich war wie gelähmt, konnte nichts sagen. Seine Mutter sah mich mit leeren Augen an. Die Zeit stand still, doch dann bewegte sich Jonas' Vater und ging an mir vorbei. Seine Mutter sah mich weiter an, doch dann machte sie einen Schritt auf mich zu und drückte mich fest an sich. Ohne Worte, einfach so. Dann sah sie mich an und lächelte: »Danke.«
»Aber, aber ich mache do-«, stotterte ich, doch Jonas' Mutter schüttelte mit dem Kopf und unterbrach mich: »Doch. Du-«, fing sie an, doch die Tränen übermannten sie. »Danke, dass du ihm noch zeigst, was Liebe ist bevor- «, doch dann brach sie wieder ab und lief an uns vorbei und die Treppe hinunter. Jonas' Vater presste die Lippen zusammen und ging langsam hinterher. Kraftlos.
Nun legte Moni mir die Hand auf die Schulter und sah mich traurig an. Erst als mir die Tränen über die Wangen liefen merkte ich, dass ich weinte. Ich drehte mich von Moni weg und ging in Jonas' Zimmer. Er schlief. Er lag auf dem Rücken, den Kopf nach links, zum Fenster, geneigt. Die Geräte piepsten und man hörte sein Schnaufen durch die Sauerstoffmaske. Ich ging direkt auf ihn zu, zögerte nicht, und legte mich einfach neben ihn. Ich nahm in den Arm und drückte mein Gesicht in seine Schulter. 

»Vielleicht war es das ja.«
»Was meinst du damit?«, fragt er skeptisch und sieht mich an.
»Nun, ich habe nachgedacht.«
»Ach so?«
»Ja, über diese Sache mit dem Leben nach dem Tod, dem Universum und so. Ich habe versucht, mir die Scheuklappen abzunehmen.«, sage ich und setze mich gerade hin.
»Und?«, fragt Jonas und sieht mich interessiert an.
»Ich glaube, an die Sache mit dem Paralleluniversum. Das hört sich für mich am Logistischen an.«
Jonas zieht seine rechte, nicht vorhandene Augenbraue hoch. »Dein Ernst? Du gehst immer noch nach Logik?«
»Lass mich, so bin ich eben. Willst du es nun hören oder nicht?«
»Doch, doch. Fahr fort.«, sagt er und wedelt mit seiner Hand.
»Ich glaube, dass wir Koexistieren. Und das mit anderen Versionen von uns selbst in anderen Welten. Das würde auch übernatürliche Geschehnisse erklären. Wenn zum Beispiel ein Buch von allein aus dem Regal fällt oder sich Türen von alleine öffnen. Das sind wir vielleicht selbst, wie wir in einem Paralleluniversum gerade das Buch fallen gelassen oder die Tür geöffnet haben. Somit halte ich auch das Prinzip der Wiedergeburt für logisch. Aber nicht so, wie die Buddhisten oder Hindus es sich vorstellen. Ich denke, wenn wir hier sterben, werden wir in einem anderen Paralleluniversum wiedergeboren, ohne es zu wissen. So macht das Prinzip der Unendlichkeit auch viel mehr Sinn.«, erkläre ich etwas gedankenverloren bis mir auffällt, dass Jonas mich mit offenem Mund anstarrt.
»Wow.«, sagt er nur.
»Was?«
»Du hast echt eine Menge nachgedacht.«, sagt er erstaunt.
»Ein bisschen.«
»Wie bist du denn von deiner Grundeinstellung plötzlich darauf gekommen?«
»"Interstellar" mit Matthew McConaughey lief gestern im Fernsehen.«
»Du nimmst deine Theorie aus einem Blockbuster?«
»Nein, er hat mich zum Nachdenken angeregt.«, sage ich etwas beleidigt.
»Ah ja.«, lacht Jonas schwach und fängt dann direkt an zu husten. Ich springe auf und helfe ihm dabei sich aufzusetzen.
»Aber du hast über den Tellerrand geschaut. Das beeindruckt mich.«, keucht er.
»Sshht.«, sage ich und klopfe leicht auf seinen Rücken. Als er wieder normal atmet, gebe ich ihm sein Glas Wasser.
»Nein, es geht. Danke«, sagt er leise, während er sich wieder hinlegt.
»Trink.«
»Nein, es geht schon.«
»Trink.«, fordere ich ihn auf. Er verdreht die Augen und trinkt einen Schluck.
»Ich glaube nicht, dass ich am Flüssigkeitsmangel sterben werde.«, witzelt er. Aber ich kann darüber nicht lachen. Ich sehe ihn streng an und mustere sein Gesicht. Er wartet darauf, dass ich doch lächeln muss. Aber ich kann es nicht.
»Du verstehst heute echt keinen Spaß.«, sagt er beleidigt.
»Ich würde eher sagen, dass du heute einfach nicht witzig bist.«
»Danke.«
»Gerne.«
»Deine Theorie finde ich interessant.«
»Wirklich?«, frage ich überrascht.
»Ja, schon.«
»Vielen Dank.«, sage ich stolz und lächle.
Jonas sieht zum Fenster. 
»Alles in Ordnung?«, frage ich.
»Nein.«
»Was hast du? Schmerzen? Soll ich dir was holen?«, frage ich und stehe auf.
»Nein, nein. Es ist nur...«, dann versiegt seine Stimme und Tränen laufen über seine hageren Wangen.
»Jonas?«, frage ich leise, dann sieht er mich an: »Wieso stecke ich in diesem Universum fest? Wieso habe ich dieses Los gezogen?«
»Darauf weiß ich keine Antwort.«, sage ich stumpf. Ich fühle mich wie betäubt.
»Ich wünschte, ich würde in diesem einen Paralleluniversum leben in dem wir am See Eis essen. In der Sonne. Ohne Schläuche, ohne Krebs.«, weint er.
»Das wünschte ich auch.«, flüstere ich und nehme Jonas' Hand.
»Ich habe ein scheiß Angst, Paula.«
»Ich auch.«, antworte ich und dann lege ich mich wieder zu ihm.

© Dia Nigrew/Claudia Wergin

Dienstag, 18. April 2017

Gegen ihren Willen

Geschützt im Schein,
aber ganz allein.

Oder vielleicht auch nicht?
Der Schatten so schwarz und dicht.

Dort lauern sie so nah,
zu spät, als sie sie sah.

Zwei Männer hinter ihr,
in ihren Augen glänzt die Gier.

Die Laterne leuchtet gelb,
sieht ihren Schatten, als sie fällt.

Fest am Schopf gepackt,
ihr Herz schlägt im Paniktakt.

Der erste Tritt tut am meisten weh,
sie schreit, das stumme Reh.

Noch ein Tritt, noch ein Schlag,
so ein dunkler Tag.

Plötzlich wird es kalt,
ihre Augen offen einen Spalt.

Zerrissenes T-Shirt, keine Hose,
liegt sie in eindeutiger Pose.

Schnell liegt er über ihr,
er riecht muffig und nach Bier.

Dann ein brennender Schmerz,
spürt sie ihn bis in ihr Herz.

Dann immer weiter und schneller,
wann wird es endlich heller?

Wie betäubt liegt sie da,
während er stöhnt: »Oh, ja!«

Zeit vergeht und doch steht sie still,
noch ein Schlag, bis der Zweite will.

Hält sie fest und dringt hinein,
fängt an sie zu würgen, dieses Schwein.

Keine Luft, nur die Qual,
fester, härter, jedes mal.

Die Welt ist blass, gar verschwommen,
sie selbst ist wirr und benommen.

Dann noch ein Schlag und ein Tritt,
vor den Kopf und in den Schritt.

Kann nicht schreien und tut es stumm,
Schmerz innen und drum herum.

Sie will und kann nichts spüren,

lässt sich von Ohnmacht in die Finsternis führen.


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© Dia Nigrew/Claudia Wergin

Freitag, 14. April 2017

14 Tage mit Dir - Tag 7 (Part 4)

Es ist Sonntag. Eigentlich habe ich heute frei, aber trotzdem bin ich wieder hier und sitze an Jonas' Bettkante. Ich helfe ihm beim Trinken, schüttle sein Kissen auf und räume sein Tablett ab. Moni hat schon mit mir geschimpft. »Das Jugendschutzgesetz verbietet, dass Jugendliche und junge Erwachsene unter achtzehn Jahren am Sonntag arbeiten. Du bist hier heute Besucherin, also verhalte dich auch so.«, hat sie gesagt. Aber ich kann nicht anders. Ich habe den Drang alles zu tun, damit es Jonas gut geht. 
»Du scheinst mich echt zu mögen, wenn du sonntags jetzt auch kommst.«, flüstert er unter seiner Sauerstoffmaske.
Damit habe ich nicht gerechnet. Ich habe nicht mal damit gerechnet, dass er was sagt. Er hat heute keinen guten Tag. Ich reiße die Augen auf und weiß nicht wohin ich schauen soll, also starre ich in sein Gesicht. Ich merke, dass ich rot werde und die Luft anhalte. Ich weiß nicht, warum ich das gerade tue. Aber ich mache es automatisch, ohne es unter Kontrolle zu haben. Ich glaube, sowas bezeichnet man als Schockreaktion.
»Oh, wow. Da habe ich dich also eiskalt erwischt.«, lacht er und lächelt leicht.
Ich stehe auf und ziehe meine Hosenbeine wieder runter. »Nun, ich nehme das Praktikum sehr ernst.«, sage ich einfach. Das war nicht nur taktlos, gemein und herzlos, sondern auch kompletter Unfug. Natürlich mag ich Jonas. Ich mag ihn sogar sehr. Vielleicht mehr, als mir lieb ist. Aber so ist es nun mal. Aufgefallen ist mir das am Freitag. Als ich nachhause ging, nachdem wir über die 72 Jungfrauen gesprochen haben. 

Ich ging zur Bushaltestelle und mir wurde bewusst, dass ich am nächsten Tag nicht ins Hospiz musste. Eigentlich hätte ich denken sollen: »Yippie, Wochenende!« Aber so war es nicht. Ich war traurig, deprimiert und hatte Angst, Jonas am Montag nicht wiederzusehen. So ist das mit dem Tod, man weiß irgendwie nicht wann er kommt. Auch wenn er absehbar ist. 
Beim Abendessen habe ich nicht viel gesprochen und nur mit meiner Gabel im Kartoffelbrei rumgepult. Ich habe auch versucht eine Kartoffelbreiburg zu bauen, aber rausgekommen ist nur ein kleiner Hügel mit Löchern.
»Hast du keinen Hunger, Liebes?«, fragte meine Mutter.
»Nicht so richtig.«
»Was beschäftigt dich so sehr?«
Ich sah auf: »Glaubt ihr, dass es nach dem Tod noch weiter geht?«
»Weiter?«, fragte mein Vater und sah mich schief an. Aus dem Winkel sah ich, dass eins seiner Schnurrbarthaare länger war als der Rest.
»Ja, sowas wie ein Leben nach dem Tod.«
»Paula, wir sind keine Christen. Das weißt du doch.«, sagte er und aß weiter.
»Ja, schon. Aber ich rede nicht von Himmel und Hölle. Ich frage mich, ob generell irgendwas auf uns wartet, wenn wir hier fertig sind und sterben. Jonas und ich haben uns heute darüber unterhalten und er glaubt daran.«, erklärte ich.
»Wenn wir hier fertig sind?«,  wiederholte meine Mutter unsicher und sah zu meinem Vater. Sie taten so, als hätte ich in diesem Moment den Teufel angepriesen. Man muss dazu sagen, dass meine Eltern sehr überzeugte Atheisten sind. Sie glauben an die Naturwissenschaft und an dessen Fakten. Jegliches Übernatürliche macht für sie einfach keinen Sinn. Deswegen durfte ich damals auch nie den Film „Casper“ gucken. Man wollte gar nicht erst mit „dem Quatsch anfangen“. Das macht sie nicht zu schlechten Eltern, ihrer Meinung nach war es einfach richtig. Und wer jetzt sagt, sie haben mir nicht meine Fantasie gelassen, irrt sich ebenfalls. Ich habe als Kind gegen Drachen gekämpft, bin auf Einhörnern geritten und habe mit Feen getuschelt. Wenn ich mit meinem alten Kindergartenkumpel „Mittelalter“ gespielt habe, haben wir einfach in einer Burg gelebt, in der es keine Schlossgespenster gab. So einfach ist das. Meine Eltern waren da etwas eigen, aber jede Mutter und jeder Vater haben halt so manchen Splin.
Jedenfalls merkte ich in diesem Moment, dass ich hier mit diesem Thema nicht weiter kam. Ich seufzte und schaute wieder auf meinen Teller.
»Schatz, wir müssen mal mit dir reden.«, sagte meine Mutter und schon sah ich wieder auf. Mir schwante echt nichts Gutes.
»Du hast dich letzten Tage sehr verändert. Du bist so nachdenklich, deprimiert, redest beim Essen immer weniger. Wir machen uns langsam ernsthaft Sorgen. Wir erkennen dich kaum noch wieder.«, sagte meine Mutter und nahm meine Hand.
»Wir vermuten, dass das an deinem Praktikum liegt. Vielleicht solltest du es abbrechen, wenn es dir dadurch so schlecht geht.«, sagte mein Vater und nahm meine andere Hand. Äh, hallo?
Ungläubig sah ich die Beiden an und befreite mich aus ihren Griffen. 
»Wie bitte?«, fragte ich.
»Liebes, du musst dich nicht verstellen. Wir sehen das doch. Rede mit uns.«, sagte meine Mutter wieder in diesem überliebevollen Tonfall.
»Mir geht es gut.«, sagte ich und wurde bockig. Darauf hatte ich ja mal gar keine Lust.
»Paula.«, seufzte mein Vater nur.
Dann verdrehte ich die Augen und begann mich zu erklären (hatte ich denn eine Wahl?): »Natürlich verändert mich das Praktikum. Abgesehen davon, dass das alles komplettes Neuland für mich ist, bin ich jeden Tag von sterbenden Menschen umgeben. Von sterbenden Kindern, um genau zu sein. Natürlich denke ich darüber nach und natürlich stelle ich dann gewisse Dinge in Frage. Ich weiß, das passt nicht in euer Schema und ich will euch eigentlich nicht damit nerven. Euch zu fragen, war auch nicht gerade klug, da Ihr zu sachlich seid und nicht über den Tellerrand schauen möchtet. Vielleicht ist die Erde auch eine Scheibe, keine Ahnung. Ich mache das Praktikum gerne, ich habe das Gefühl was zu bewirken. Ich möchte da nicht weg. Ich gehe dort zum Hauspsychologen, rede mit ihm, damit es mir gut geht. Das wollte der Hospizleiter, das wollte Moni und Ihr ebenso. Und das hilft mir. Ihr braucht Euch also keinerlei Sorgen zu machen, nur weil ich einfach ein bisschen philosophiere.«
Meine Eltern sahen sich an und eine unangenehme Stille erfüllte den Raum.
»Ich habe Moni gestern beim Einkaufen getroffen.«, begann meine Mutter. »Sie hat mir von Jonas und dir erzählt.«
Ich runzelte die Stirn. »Aha, was denn?«
»Du verbringst auffällig viel Zeit mit ihm.«
»Ich bin für ihn da. Das ist eines der wichtigsten Dinge im Hospiz. Das sagte Moni selbst.«, erklärte ich mich und merkte, dass ich rot wurde.
»Liebes, du wirst dir selbst unglaublich weh tun.« 
Ich sah zu meinem Vater, aber er presste nur die Lippen zusammen und sah uns im Wechsel an.
Tränen stiegen mir in die Augen. »Ich werde das Praktikum weiter machen.«
Wieder nahm meine Mutter meine Hand, diesmal ließ ich sie. »Wir wollen dir nichts wegnehmen oder verbieten. Wir machen uns nur Sorgen.«
Ich sagte nichts, ertrug diesen Moment aber nicht weiter und stürmte in mein Zimmer. Ich verkroch mich neben meinem Bett in die kleine Nische zwischen Wand und Nachttisch, in der ich mich früher beim Versteckspiel immer selbst versteckte.
Doch, sie wollten mir etwas wegnehmen, weil sie dachten es sei richtig. 
Jonas. Aber sie haben mir schon Casper genommen. Mehr wollte ich nicht zulassen.
Nach einer halben Stunde kam mein Vater zu mir und nahm mich in den Arm.
»Ich weiß, dass er sterben wird. Mir ist das bewusst. Und ja, es nimmt mich mit, weil ich Jonas so sehr mag. Und ich weiß nicht mal wieso. Er ist arrogant und macht sich über mich lustig und gleichzeitig fühle ich mich ihm so verbunden. Es ist gemein, unfair und schrecklich. Aber ich kann ihn jetzt nicht im Stich lassen.«, jammerte und weinte ich.
»Ist schon gut, wir wollen nur nicht, dass du verletzt wirst oder dich das alles zu sehr verändert.«, flüsterte mein Vater.
»Das hat es schon.«
»Ja, ich weiß.«, seufzte er und sagte weiter: »Deine erste Liebe und sie ist zum scheitern verurteilt. Es tut mir so leid, Liebes.«
Und in meinem Kinderzimmer, umgeben von alten Kuscheltieren und in den Armen meines Vaters wurde mir bewusst, dass ich zum ersten Mal verliebt war.

Das ist kein Mitleidsmögen, falls das jetzt einer denken sollte. Es ist nicht, weil er Krebs hat oder weil er bald sterben wird. Es ist seine Art, sein Humor, seine Sicht der Dinge. Es ist, wie ich ihn mir mit Haaren vorstelle und er eigentlich ein echt süßer Typ ist. Er erinnert mich ein bisschen an Chris Pratt, nur viel dünner und blasser. Es ist, weil er einfach er ist. Das ist aufrichtiges Gernhaben.
Aber jetzt geht er mir gerade ziemlich auf den Zeiger.
»Von wegen Praktikum. Du hast heute frei und ich habe gehört, wie Moni mit dir gemeckert hat, weil du dich wie eine Krankenschwester aufführst.«, argumentiert er. Mir gefällt sein Ton nicht.
Mir wird warm und ich merke wie meine Wangen aufglühen. 
Bildergebnis für tear tumblr»Ist schon okay. Ich mag dich auch sehr. Schade, dass wir uns nicht eher kennengelernt haben. Schade, dass wir nicht in einem Paralleluniversum leben, in dem ich keinen Krebs habe und ich dich fragen kann, ob du mit mir ausgehen willst. Schade, dass das hier nicht von langer Dauer ist.«, sagte er.
»Ja, echt schade.«, sage ich und wieder schießen mir die Tränen in die Augen.

© Dia Nigrew/Claudia Wergin


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Donnerstag, 6. April 2017

Verboten

Während seine Zunge über mein Schlüsselbein und meinen Hals streift, schaue ich erregt und gleichzeitig nervös zur Tür. Was, wenn uns einer findet?
Doch bevor ich den Gedanken weiter intensivieren kann, fahre ich zusammen und das Kribbeln in meinem Bauch gleitet zwischen meine Beine. In meinem Hals baut sich ein unglaublicher Druck auf und ich kann nicht anders, ich stöhne laut. Er schaut mich an und unsere Lippen berühren sich leicht, er küsst mich nicht. Aber genau das, macht mich nur um so gieriger. Gierig nach ihm, seinen Lippen, seinem Geschmack. Einen Augenblick Freiheit, einen Augenblick vergessen. Alles vergessen.
Es ist schon so lange her, dass mich jemand so berührt hat. Es ist schon so lange her, dass ich mich so gefühlt habe. Und es ist schon so lange her, dass ich einen Orgasmus hatte.
Dave weiß was er tut, obwohl er nicht darüber nachdenkt. Er tut es einfach. 
Er packt mich an meinen Handgelenken, führt sie über meinen Kopf und drückt mich an die Wand. Dann küsst er meinen Hals und jede Stelle die er mit seinen Lippen berührt, wird heiß und kalt zugleich. Ich schließe die Augen, das Gefühl wird so nur intensiver. Wieder kann ich ein Stöhnen nicht Ähnliches Fotounterdrücken. Das Kribbeln in meinem Bauch brodelt wie eine Fontäne kurz vor dem Ausbruch und schießt die Schmetterlinge dann plötzlich nach oben, durch meinen Rachen und nach draußen. Schon wieder stöhne ich. Lauter, intensiver. Ich sehe ihm zu, wie er die Träger meines Kleider hinunterstreift und anfängt meine nackten Brüste zu liebkosen und lege den Kopf schief. Er genießt jede Faser, jede Pore während er sie mit seinen Lippen und seiner Zunge streichelt. Er ist so sehr in das vertieft was er tut, dass er alles um sich herum zu vergessen scheint. Nur ich scheine alles intensiver wahrzunehmen. Ich höre den Staub durch den kleinen Raum fliegen und spüre die Schritte der anderen zwei Etagen unter mir. Meine Sinne sind geschärft, obwohl er sie mir gerade raubt.
Ich lege meinen Kopf in den Nacken und versuche alles auszublenden, außer Daves Wärme und Berührungen. In mir brodelt es und ich kann es gleich nicht mehr unterdrücken. Ich schaue ihn an, während er seinen Kopf wieder hebt und mir direkt in die Augen sieht. Ich ziehe ihn zu mir und wir küssen uns leidenschaftlich. Seine warmen, weichen Lippen passen perfekt auf meine und wir umschlingen uns gegenseitig, bis wir eins werden. Er schiebt mein Kleid nach oben und ich höre ihn nur hauchen: »Ich kann nicht mehr warten.« Ich auch nicht.
Wir küssen uns erneut und ich schlinge meine Arme um ihn und stöhne in seinen Mund, während er mit seiner linken Hand etwas zwischen meinen Beinen tut, was ich nicht beschreiben kann. Dann hebt er mein rechtes Bein und plötzlich füllt mich seine ganze Männlichkeit aus.
Ich werfe meinen Kopf in den Nacken und bin so von diesem längst vergessenen Gefühl überwältigt, dass ich einen mindestens dreißig Zentimeter dicken Kloß in meinem Hals habe, der mich nicht atmen lässt. Dave bewegt seine Hüfte wie ein Latinotänzer und ich habe das Gefühl, ich kann mit dem Takt nicht mithalten. Ich verliere jegliche Kontrolle und um mich herum verschwimmt alles. Ich packe Dave an den Schultern und versuche ihn wieder zu küssen, aber ich kann nicht. Mein Körper macht sich selbstständig, die Ektase hat mich am Schopf gepackt und hat mich voll und ganz unter Kontrolle. Ich kann meine Lautstärke nicht mehr kontrollieren, es ist mir jetzt auch egal, ob man uns hört. Das ist es mir wert. Ich würde alles für dieses Gefühl gerade tun. Auch Dave wird immer lauter und gemeinsam erreichen wir den Höhepunkt und explodieren wie ein Vulkan auf Hawaii.
Langsam und ausgepowert sacken wir zusammen und atmen schwer, schrecken aber direkt wieder auf. Jemand kommt die Treppe hoch. Schnell ziehen wir uns wieder an und ich mache meine Haare zurecht. Zumindest versuche ich es so gut es geht und eile zur Tür. Ich komme gerade aus dem Arbeitszimmer, als mir mein Mann entgegen kommt.
»Ich habe dich gesucht.«, sagt er streng. 
»Ich habe mich nur eben frisch gemacht.«, sage ich noch leicht außer Puste.
»In meinem Arbeitszimmer?«, fragt er skeptisch und schaut über meine Schulter.
Ich werde nervös: »Nein, natürlich nicht. Ich dachte, ich hätte dort etwas gehört. Aber das Fenster war nur offen und ich habe es geschlossen, weil es gezogen hat. Und dann kamst du, als ich eben raus kam.«
Er rümpft die Nase: »Nun, du solltest nochmal in den Spiegel schauen. Du siehst aus wie eine Vogelscheuche. Und dann komm direkt runter. Wozu habe ich eine Frau, wenn ich sie nicht präsentieren kann!?« Er dreht sich um und erwartet, dass ich ihm folge. Ich gehorche, wie immer. Als ich über meine Schulter schaue, sehe ich Dave. Er lächelt. Ich werde rot.
Der goldene Käfig schließt sich wieder. Aber bei der nächsten Gelegenheit werde ich wieder fliehen.


© Dia Nigrew/Claudia Wergin

Montag, 3. April 2017

14 Tage mit Dir - Tag 5 (Part 3)

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»Du musst mir das nochmal erklären.«, sage ich.
»Was?«
»Du hast vor ein paar Tagen gesagt, dass da noch mehr ist. Mehr als das Körperliche. Also nach dem Tod.«
Jonas schaut mich mit seinen müden Augen an, die von tiefen Augenringen geziert sind. Er hat seine Sauerstoffmaske in der linken Hand und den rechten Arm unter seiner Decke. Er liegt auf dem Rücken und sieht schwach aus. Die letzten zwei Tage hat er viel seiner Kraft verloren. Von dem aufgeweckten Typen mit der großen Klappe sehe ich gerade nicht viel.

Als ich an meinem dritten Tag ins Hospiz kam, durfte ich nicht zu ihm. Das Erste was Moni mir morgens sagte war: »Ich habe eine neue Aufgabe für dich. Vielleicht etwas stupide, aber es muss leider gemacht werden. In diesem Aktenschrank neben der Tür sind die Akten aller Gäste, die nicht mehr bei uns sind. Leider ist der Schrank nun ziemlich voll und die alten Akten müssen in den Keller gebracht werden. Bitte sortiere alle Akten bis 2010 aus und bringe sie in den Keller. Dort stehen leere Schränke, wo sie einsortiert werden können. Wenn du das erledigt hast, kannst du hier im Schrank die Mappen weiter oben einsortieren, sodass unten Platz für neue Fälle ist. Klar soweit?« Ich nickte.
»Wie geht es Jonas denn heute?« Moni zögerte. »Dazu kann ich dir leider nichts sagen. Die Station ist heute für dich tabu. Anweisung vom Oberarzt. Okay?« Ich zögerte, nickte aber doch. Irgendwas stimmte nicht. Das war klar wie Kloßbrühe. Ich fragte aber nicht weiter nach. Ich hätte sowie so keine Antwort bekommen. In meinen Gedanken malte ich mir die unterschiedlichsten Gründe für mein Stationsverbot aus. Hatten seine Eltern sich nochmal beschwert? Ich meine, meine Reaktion auf seinen Anfall und meine schiere Anwesenheit sind ihnen schon übel aufgestoßen. Und dann wollte ihr Sohn sie abends aus dem Zimmer werfen, nur weil ich da war. Vielleicht können sie mich deswegen nicht leiden und wollten mich von ihm fernhalten, damit sie ihre gesamte Zeit mit ihm verbringen könnten. Ich glaube, mich würde das genauso nerven wie Jonas.Oder ging es ihm schlechter? Dr. Schulte sagte, er wollte mein geistiges Wohl schützen. War das seine Methode? Oder ist er über Nacht… und man hat es mir nicht sagen wollen? Ich schluckte und mein Gesicht fühlte sich taub an. In meinem Hals kribbelte es und mein Magen war flau. Bitte nicht.
Ich erledigte meine Aufgabe, war aber ziemlich unruhig und aufgewühlt. Ich war unkonzentriert und verlor mich in meinen Gedanken. Ich war den ganzen Tag mit den Akten beschäftigt und wurde doch nicht fertig. Wahrscheinlich, weil ich so langsam arbeitete, dass ich nur wie eine Schnecke vorankam.
Und auch als ich nach Feierabend zuhause beim Abendessen mit meinen Eltern saß, war ich gedanklich doch immer noch im Hospiz und stand vor der verschlossenen Tür von Jonas' Zimmer. Ich hörte Schreie, wirre Stimmen und ich stand da und konnte diese vermalledeite Tür nicht öffnen. 
Am nächsten Tag machte ich weiter, fühlte mich aber noch genauso wie den Tag zuvor.In einer ruhigen Minute im Schwesternzimmer, als ich allein war und mich wie betäubt meiner Aufgabe widmete, kam Moni und schloss hinter mir die Tür.Sie seufzte: »Wenn du mir versprichst mit niemanden darüber zu sprechen, sage ich dir was los ist.« Ich blickte sofort auf und nickte heftig.Jonas hatte nach meinem dramatischen Abgang vor zwei Tagen noch weitere Krampfanfälle und heftige Durchbruchschmerzen. Man musste ihn auf Morphin setzen. Es ging ihm plötzlich schlechter und seine Vitalwerte sanken stetig. Sowas sei leider normal und passiere häufig, sagte Moni. Seine Eltern seien Tag und Nacht bei ihm gewesen, auch wenn er kaum wach war. Seine Werte seien zwar nun stabil, aber immer noch nicht gut. Aber wenn es ihm besser gehen würde, wäre er nicht hier.Ich kann nicht beschreiben, wie es mir in diesem Moment ging. Es ist wie eine Flutwelle, die einen erfasst und runterzieht. Meine Ohren waren taub und ich hatte einen Tinnitus. Ich spürte meine Arme und Beine nicht mehr. Mein Herz raste, mein Atem war flach. Mein Mund war trocken und mein Hals brannte. Ich gebe zu, ich mag Jonas. Jedoch war mir nicht bewusst, wie sehr. Bis zu diesem Moment. In diesem Moment bat ich um ein Gespräch mit Dr. Trautmann, dem Hausseelsorger. Ich durfte direkt zu ihm. Es ging mir danach nicht unbedingt besser, aber ich dachte ich lasse lieber alles bei ihm raus, als vor Moni. Ich wollte nicht Gefahr laufen, Jonas gar nicht mehr sehen zu dürfen. Also handelte ich nicht nur zu meinem eigenen Wohl, sondern bin taktisch auch noch klug vorgegangen. Was soll ich sagen? Strategie liegt mir. Ich gewinne auch ziemlich oft bei „Risiko“ oder „Die Siedler von Catan“.

Da Jonas seit heute wieder bei Bewusstsein ist und auch nach mir gefragt hat, darf ich wieder zu ihm. Als Moni mir das heute Morgen sagte, war ich erstaunlicherweise ziemlich schnell fertig mit dem Aktenschrank. Seither sitze ich auf seiner Bettkante und schaue mir sein blasses Gesicht an.
»Ja, ich weiß.«
»Also?«
Jonas sieht an die Decke, er scheint zu überlegen. »Hast du schon mal diese Videos im Internet gesehen? Zum Beispiel: „10 unerklärliche Entdeckungen von Archäologen“.«

»Klar.«

»Glaubst du, da ist was Wahres dran?«

»Bestimmt, ich finde diese Videos unglaublich interessant.«

»Also glaubst du nur daran, weil du dich dafür interessierst?«

»Nein, ich denke nicht.«

»Weswegen dann? Die meisten Dinge können sie sich doch gar nicht erklären.«

»Ja, aber genau das ist doch das Spannende. Und es klingt doch auch irgendwie logisch, auch wenn es keine Erklärung gibt.«

»Genau so ist es mit dem Glauben an das Leben nach dem Tod.«, sagt Jonas und legt den Kopf wieder in meine Richtung.
Ich schaue ihn an. Ich versuche ein Gegenargument zu finden, kann es aber nicht widerlegen.
»Im Prinzip hast du Recht.«
»Aber?«
»Jeder Mensch glaubt an etwas anderes. Kann man sich das dann also nach dem Tod aussuchen was passiert? Füllt man ein Formular aus, so nach dem Motto „Bitte ankreuzen: 72 Jungfrauen, ein Penthouse im Himmel oder eine Wiedergeburt als Honigbiene.“ Glaubst du nicht, dass nach dem Tod, wenn da wirklich was ist, nicht jedem dasselbe widerfährt?«, sage ich und bin ein bisschen stolz auf mich, seine These doch widerlegen zu können. Na ja oder zumindest anzweifeln zu können.
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Jetzt überlegt Jonas: »Ich glaube, dass der Mensch Angst vor dem Unbekannten hat. Angst vorm Tod. Keiner kann berichten, was wirklich geschieht. Also glauben die Menschen. So ist es einfacher für sie damit umzugehen. Es ist schöner daran zu denken, dass 72 Jungfrauen auf einen warten, man auf Wolken sitzt oder als kleine Biene durch die Sonne fliegt, als zu erwarten, dass einfach alles vorbei ist und man von Maden gefressen wird, ohne es zu merken. Daher überlegt sich jeder Mensch das, was einem am Besten gefällt. Je nach Geschmack. Deswegen gibt es so viele Theorien. So sind wir eben. Aber deswegen glaube ich nicht. Ich habe keine Angst vor dem Unbekannten. Früher hatte ich Angst vorm Tod, als mir bewusst wurde, dass ich eines Tages am Krebs sterben werde. Aber wenn er immer präsent ist, lernt man mit ihm klarzukommen. Ich kann es ja nicht ändern. Ich erachte es für logisch, dass da noch mehr ist. So logisch, wie du diese Dokus findest, die im Netz zu finden sind. Es ist unerklärlich, aber es klingt doch irgendwie logisch.«
»Aber woran hältst du dich da fest?«
»Und du?«
»Diese Dinge wie Pyramiden, Stonehenge oder Dörfer die in Ausgrabungen gefunden werden, sind vom Menschen erbaut. Man fragt sich nur wie sie das geschafft haben oder wie diese Dinge dahin gekommen sind, wo sie jetzt stehen. Es wird in Frage gestellt, ob unser bisheriges Wissen darüber überhaupt stimmt oder es sich um Falscheinschätzungen handelt. Der Rest besteht aus Fakten, Dingen die man anfassen kann. Sie sind real.«
»Du betrachtest die Welt mit Scheuklappen.«
»Was? Warum?«
»Die Dinge sind nur real, weil du sie anfassen kannst? Wer sagt denn, dass Menschen dies erbaut haben? Auch das wird in Frage gestellt.«
»Das glaubst du doch selber nicht.«
»Denkst du wirklich, dass wir in einem unendlichen Universum, die einzige, lebende Spezies sind?«, fragt er und schaut mich ungläubig an.
»Keine Ahnung, ich glaube nur nicht an Marsmännchen.«
»Ich auch nicht. Aber wir reden hier von der Unendlichkeit und nicht von unserem Sonnensystem. Glaubst du an das menschliche Bewusstsein?«, sagt er.
»Natürlich.«
»Das kann man aber auch nicht anfassen.«
Ich stöhne. Egal wie ich argumentiere, er widerlegt alles was ich sage. Das nervt mich tierisch. Ich kann ihn nur genervt ansehen und ziehe eine Schnute.
»Das Leben besteht aus so viel mehr, Paula. Das ist alles nicht so einfach abzutun.«, sagt er und schließt die Augen.
»Bist du müde?«, frage ich und stehe auf, um ihn zu zudecken.
»Ja, ziemlich.«, antwortet Jonas und setzt sich die Maske auf. Er schläft direkt ein und ich frage mich, ob er von den 72 Jungfrauen träumt.

© Dia Nigrew/Claudia Werg
in


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